Meine Ausdrucksformen sind Manifestationen eines fortlaufenden Denkprozesses, der sich durch menschliche, gesellschaftliche und politische Wirklichkeiten bewegt und die Bedingungen untersucht, durch die die Realität entsteht
Der Ausgangspunkt meines Denkens ist die Tatsache:
Die Würde des Menschen ist unantastbar
Sie ist nicht nur ein rechtlicher Grundsatz, sondern die fundamentale Bedingung menschlicher Existenz. Aus dieser Überzeugung heraus betrachte ich die Welt. Jede Ordnung, jedes System, jede Norm muss sich an dieser Wahrheit messen lassen.
Sichtbarkeit menschlicher Existenz innerhalb destruktiver gesellschaftlicher und politischer Systeme ist der Kern meines Schaffens.
Aufgewachsen in einer politischen Landschaft, in der Repression, Mangel und ideologische Kontrolle den Alltag bestimmten, nahm ich früh wahr, wie Systeme versuchen, Menschen zu formen. Ich sah, wie Identität bedrängt, wie Freiheit eingeschränkt, wie Würde gefährdet wird und ich erlebte, wie Widerstand entsteht, oft leise, oft unbeholfen, aber unerbittlich. Dieses frühe Erkennen der Deformation menschlicher Natur durch politische und gesellschaftliche Strukturen prägt meine Wahrnehmung bis heute.
Alle Systeme, die den Menschen umgeben, sind menschliche Konstruktionen. Doch sobald sie bestehen, entwickeln sie eine eigene Dynamik. Sie erzeugen Kategorien, die bestimmen, welche Identitäten anerkannt werden und welche unsichtbar bleiben, gar abgelehnt werden. Sobald diese Kategorien wirksam werden, beginnt das System, nicht mehr aus den Bedürfnissen der Menschen heraus zu agieren, sondern ihnen gegenüberzutreten und auf sie zurückzuwirken. In diesem Rückwirkungsgeschehen werden Menschen normiert: Sie sollen sich in Formen einfügen, die nicht aus ihnen selbst hervorgehen, sondern aus einer Ordnung, die sich selbst stabilisieren möchte. Hier wird Würde verletzt, nicht theoretisch, sondern real.
Meine Wahrnehmung ist kein passives Registrieren, sondern ein analytisches, ästhetisches und ethisches Erkennen. Beobachtung, Wahrnehmung, Denken und Leben sind für mich keine getrennten Sphären. Kunst zu schaffen ist für mich eine Notwendigkeit, nicht eine Entscheidung; sie entsteht aus der Struktur meiner Existenz. Sie ist nicht Reaktion, sondern Konsequenz. Darum richtet sich meine Arbeit auf das Spannungsfeld zwischen menschlicher Natur und jenen Strukturen, die aus ihr hervorgehen und sich gegen sie richten. Ich gehe zum Ursprung zurück um sichtbar zu machen, wie Systeme auf Menschen zurückwirken oft so, dass sie Identität gefährden und Selbstverständnis destabilisieren. Meine Arbeit bewegt sich an dem Punkt, an dem Systeme beginnen, Menschen festzulegen und an dem Menschen sich dennoch entziehen. Dieser Widerstand ist kein moralisches Pathos, sondern eine notwendige Bewegung menschlicher Selbstbehauptung.
Daraus entstehen die Fragen, die mein Werk leiten:
Was bleibt von uns, bevor Ordnung uns beschreibt?
Wie zerfallen Identitäten, wenn Systeme sie zerschneiden?
Wie entstehen sie neu, wenn sie sich der Norm verweigern?
Welche Bedeutung behält Würde in einer Gesellschaft, die ihre Grundlagen verliert?
Wie verändert sich Wahrnehmung, wenn wir beginnen, jenseits der Raster zu denken?
Ich arbeite in Übergängen, weil Erkenntnis nicht im Festschreiben entsteht, sondern in der Bewegung zwischen Bedeutungen. Ich arbeite an Fragmenten, weil Systeme fragmentieren. Ich arbeite am Unsichtbaren, weil Systeme es unsichtbar machen müssen, um zu funktionieren.
Kunst ist für mich kein dekoratives Medium. Sie ist ein epistemischer Eingriff in Strukturen, die Bedeutung erzeugen. Sie schafft Räume, in denen Identität nicht festgelegt, sondern befragt wird. Sie ermöglicht dem Menschen, sich der Normierung zu entziehen und in seine eigene Würde zurückzukehren.
Würde ist kein Ideal, sie ist die unüberschreitbare Grenze des Menschseins, und wenn Systeme definieren wollen, wer wir sind, wird Kunst zu jener Bewegung, in der diese Definition ihre Macht verliert und der Mensch seine Unverfügbarkeit behauptet. Daraus erwächst die Haltung, die mein Werk trägt:
Der Mensch ist kein Produkt der Ordnung, die ihn umgibt
Er ist nicht normierbar
Er ist nicht verwaltbar
Kunst ist der Raum, in dem diese Wahrheit sichtbar wird und der Raum, in dem der Mensch zu sich selbst zurückfindet.
Kunst- und Philosophiestudium in Freiburg und Bonn/Alfter
Master of Fine Arts
Mitgliedschaft:
- Berufsverband der Bildenden Künstler/Künstlerinnen Berlin
- Berufsvereinigung Bildender Künstler Österreichs – Landesverband Kärnten
- VG BildKunst