Austria at EXPO 2027 in Belgrade - Konzeptentwicklung
Die EXPO 2027 formuliert unter dem Leitgedanken "Play for Humanity" den Anspruch, Spiel, Bewegung und Musik als universelle menschliche Praktiken zugänglich zu machen und ein internationales Publikum unabhängig von Sprache einzubeziehen. Erwartet wird ein System, das Erfahrung ermöglicht. Meine konzeptuelle Arbeit setzt dort an, wo Vorgaben in eine Struktur übersetzt werden müssen.
Der Pavillon ist als räumlicher Ausdruck Österreichs konzipiert und macht dessen Haltung, Innovation, Denkweise und kulturelle Kompetenz international erfahrbar und sichtbar.
Ausgehend von diesen Vorgaben habe ich eine raumgreifende Installation entwickelt, in der Bewegung die Wahrnehmung organisiert. Der Roller Coaster bildet dabei ein zentrales, strukturierendes Element innerhalb eines größeren Gefüges aus Raum, Klang, Licht und menschlicher Präsenz. Er beschreibt eine kontinuierliche Linie im Raum, die Rhythmus und Zeit ordnet. Diese Dynamik wird nicht als Ereignis verstanden, sondern als Zustand. Der Raum wird als zeitliches Gefüge erfahrbar. Die Installation verbindet körperliche Erfahrung, Klang und visuelle Übersetzung zu einem zusammenhängenden System. Rhythmus erzeugt Klang, Klang wird in Echtzeit in Farbe, Form und Licht übersetzt. Zwei großformatige LED-Walls fungieren als visuelle Oberfläche dieses Prozesses. Sound, Bild und räumliche Dynamik stehen in direktem Zusammenhang und verändern sich fortlaufend.
Die Installation ist so angelegt, dass Teilhabe aus Anwesenheit entsteht. Fahrende und stehende Besucher teilen einen Wahrnehmungsraum, der sich durch die Glaswände in den Außenraum fortsetzt. Akustische und visuelle Prozesse beziehen auch die Menschen außerhalb des geschlossenen Raumes mit ein. Besucher können sich aktiv beteiligen oder beobachten. Spiel entfaltet sich als Interaktion. Sport erscheint als körperliche Bewegung im Raum. Die Fahrt aktiviert den Körper unmittelbar und übersetzt Bewegung in spürbare Parameter wie Rhythmus, Gleichgewicht und Beschleunigung. Damit wird Sport als universelle, voraussetzungslose Erfahrung erfahrbar und als Teil der Gesamtinstallation für alle zugänglich, im Sinne von Play for Humanity. Klang entsteht dabei als Prozess aus Bewegung und Präsenz.
Gemäß den Anforderungen der Ausschreibung der EXPO 2027 ist Architektur integraler Bestandteil des Konzepts und dient der räumlichen Organisation von Erfahrung, Teilhabe und Öffentlichkeit. Sie fungiert als strukturierende Hülle der Installation, organisiert Besucherführung und Offenheit und stellt die bewusste Verbindung von Innen- und Außenraum her, ohne als autonomes Objekt in den Vordergrund zu treten. Die Glaswände öffnen die Installation nach außen. Die visuellen Abläufe im Inneren werden Teil des öffentlichen Raums. Licht, Farbe und Bewegung treten in Beziehung zur Umgebung und machen den gesamten Prozess sichtbar. Wahrnehmung wird geteilt.
Dieses Konzept habe ich für Österreich entwickelt, weil sich meine eigene Arbeitsweise mit einer Haltung verbindet, die ich dort als selbstverständlich erlebt habe: das Verständnis, dass Komplexität nicht reduziert werden muss, um zugänglich zu sein. Wahrnehmung darf Zeit brauchen, Erfahrung darf sich entfalten. Gestaltung bedeutet, Bedingungen zu schaffen, unter denen Prozesse sichtbar werden. Österreich habe ich als Ort wahrgenommen, an dem Kunst, Technologie, Wirtschaft und Alltag nicht strikt voneinander getrennt sind. Zusammenarbeit entsteht aus gegenseitigem Respekt und aus dem Bewusstsein, dass unterschiedliche Kompetenzen Teil eines gemeinsamen Systems sind. Die Installation ist aus einer konkreten Beziehung heraus entstanden: aus einer Arbeitsrealität, aus Begegnungen, aus einem geteilten Verständnis von Zeit, Raum und Verantwortung.
Meine Entscheidung, dieses Konzept für den Österreich-Pavillon der EXPO 2027 zu konzipieren, ergibt sich aus dieser Nähe. Österreich wird darin nicht nur repräsentiert, sondern verkörpert, über eine Haltung, die Wahrnehmung, Spiel, Bewegung und Teilhabe miteinander verbindet.
Pantha rhei, alles fließt, bildet die konzeptuelle Grundlage dieser Installation. Sie organisiert Fließen als räumliche Erfahrung und macht Play for Humanity als gelebten Prozess sichtbar. Die Arbeit entfaltet sich im Zusammenspiel von Raum, Klang, Bild und menschlicher Präsenz.
Innenansicht des österreichischen Pavillons, Grundfläche 20 x 30 m, Höhe 10 m

Aussenansicht des Pavillons

in someone‘s shoes
in someone’s shoes ist ein interkulturelles Theaterprojekt, das Menschen mit Migrations und Fluchterfahrungen einen künstlerischen Raum eröffnet, um persönliche Geschichten, Erfahrungen und Perspektiven sichtbar zu machen. Das von mir initiierte Projekt wurde in den Räumen des KuBiFo Kunst und Bildungsforum Bonn Rhein Sieg e.V. umgesetzt. Dort fanden die Proben sowie die abschließende Aufführung statt. Ausgangspunkt waren die individuellen Lebensgeschichten der Protagonisten, die durch Methoden wie Storytelling, Improvisation, Rollenspiel und szenische Arbeit zu einer Theaterarbeit entwickelt wurden.
Die persönlichen Erfahrungen der Beteiligten bildeten die Grundlage für eine künstlerische Untersuchung zentraler menschlicher Themen wie Heimat, Identität, Zugehörigkeit, Veränderung und das Leben zwischen unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Dabei wurden nicht ausschließlich Erfahrungen von Verlust, Unsicherheit oder Herausforderungen betrachtet, sondern ebenso persönliche Ressourcen, Hoffnungen, Zukunftsvorstellungen und die Vielfalt individueller Lebenswege.
Aus diesem künstlerischen Prozess entstand ein Theaterstück, das ich mit den Teilnehmern konzipierte. Die unterschiedlichen Perspektiven und biografischen Erfahrungen fanden darin ihren Ausdruck und wurden in eine Bühnenarbeit integriert, in der die Mehrsprachigkeit der Beteiligten als künstlerisches Element eingesetzt wurde. Sie spiegelte die kulturelle Vielfalt und die unterschiedlichen Lebensrealitäten innerhalb der Gruppe wider.
in someone’s shoes ist eine Form gesellschaftlicher Reflexion. Der künstlerische Prozess ermöglicht es, persönliche Erfahrungen in einen öffentlichen Zusammenhang zu stellen und dadurch neue Perspektiven auf individuelle und gesellschaftliche Fragen zu eröffnen. Die Begegnung zwischen den Akteuren und dem Publikum schafft einen Raum, in dem Wahrnehmung erweitert, Vorannahmen hinterfragt und unterschiedliche Lebensrealitäten erfahrbar werden können.
Das Projekt verbindet künstlerische Praxis mit gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Es untersucht, wie persönliche Geschichten durch Kunst sichtbar werden können und welchen Beitrag künstlerische Prozesse leisten, um Dialog, Verständnis und Verbindung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen zu ermöglichen.

Projektpartner:

gefördert durch:
pieces of one
pieces of one setzt sich mit den Fragmentierungen und Disparitäten in unserer Gesellschaft auseinander. Durch eine Kombination aus visueller Kunst, Installationen und performativen Elementen wird die Zersplitterung sozialer Strukturen und die daraus resultierenden Herausforderungen eindrucksvoll dargestellt. Das Projekt beleuchtet Themen wie soziale Ungleichheit, politische Polarisierung und die oft unzureichende Reaktion institutioneller Akteure auf diese Probleme.
Die Idee zum Projekt entsprang meinem Grundansatz, dass alle Menschen gleichwertig sind. Durch meinen Migrationshintergrund hat sich die Frage nach meiner Identität für mich, über die bis jetzt in Deutschland gelebten Jahre, schon immer gestellt. Die Problematik der eigenen Identität und der Suche nach ihr wird durch Fremdenfeindlichkeit verstärkt. Nach wie vor herrscht in Deutschland und dem europäischen Ausland latenter und zunehmend offener Rassismus. Daraus resultierend suchte ich einen Weg dagegen zu steuern. Aus meiner Sicht ist die Kunst ein wesentlicher Faktor als Beitrag zur gesellschaftlicher Sensibilisierung, vorausgesetzt das Zusammenspiel der unterschiedlichen künstlerischen Medien für viele Menschen einen problemlosen Zugang darstellt, ohne ihren Anspruch zu verlieren.
pieces of one #0 Identität
In dem Spannungsfeld zwischen kultureller Vielfalt und gesellschaftlicher Engstirnigkeit manifestiert sich ein künstlerischer Prozess, der die Fragmentierung des Selbst als schöpferische Kraft begreift
Natasza Deddner
© Zbigniew Bajek, Natasza Deddner
Zbigniew Bajek • Orhan Çalışır • Max Deddner • Natasza Deddner • Jörg Ulrich Krah • Natalia Neumann • Alma Portič • Andreas Zens
BV Galerie in Klagenfurt (A)
gefördert durch:

→ Ausstellungskatalog / deutsche Ausgabe
Triennale lllKärnten 2023 schock.šok.shock / Kunstverein Kärnten
Stadt-Land-Bus / das multimediale Theaterstück
Website des Projektes
Trailer